Sind die Banken böse und wollen nur unser Geld?

Im ersten Moment würden die meisten von uns diese Frage mit Ja beantworten, denn es gibt immerhin genügend Beispiele in der jüngeren Vergangenheit, welche diese Tatsache vermuten lassen. Zu spüren bekommen es wir Bankkunden, die in irgendeiner Weise dafür aufkommen müssen.

Sei es durch niedrige Renditen bei den sicheren Geldanlagen, die selbst konventionelle Anleger dazu drängen, in spekulative Finanzprodukte zu investieren, um überhaupt noch eine Rendite erreichen zu können.

Weiter geht es mit den Zinsen für Kredite. Obwohl die Banken in Europa das Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB) fast zum Nulltarif erhalten, wird dieses Geld lieber an den Finanzmärkten investiert, anstatt es zu sehr günstigen Konditionen an die Bankkunden weiterzugeben.

Mitunter werden wir Kunden sogar zusätzlich zur Kasse gebeten, weil die Banken plötzlich für Dienstleistungen Gebühren erheben, welche vorher kostenlos und selbstverständlich waren, denn immerhin arbeiten die Banken mit unserem Geld.

Die Banken wollen und müssen Geld verdienen

Es steht ganz außer Frage, dass es sich bei den meisten Banken um Unternehmen handelt, die daran interessiert sind, zu wachsen und Geld verdienen möchten. Nebenbei haben diese natürlich auch Kosten wie beispielsweise die Gehälter der Mitarbeiter, Miete der Filialen oder generellen Unterhalt.

Vor einigen Jahren gab es in diesem Bereich auch noch keine Probleme, da das Geld der Kunden ausreichte, um damit im Kredit- oder Anlagebereich Geld zu verdienen, wovon auch wir profitierten und wir selbst für sichere Anlagen wie dem Tagesgeld oder Festgeld gute Rendite von 3 bis 5 % erhielten.

Heute sieht es ganz anders aus. Die Kosten sind gestiegen, nur die Einnahmen über die Kundengelder sind drastisch gesunken. Einige Banken versuchen über zusätzliche Gebühren diese Differenz wieder auszugleichen, natürlich sehr zum Ärger der Kunden.

Mein Tipp: Sollte eure Bank oder Sparkasse immer mehr Gebühren verlangen, so haltet Ausschau nach einer günstigeren Alternative. Es kann sich lohnen und ihr könnt somit viele Euros im Jahr einsparen.

Mangelndes Finanzwissen führt zu Problemen

Leider handelt es sich hierbei um eine Tatsache, welche unsere derzeitige Gesellschaft betrifft. Über alle Dinge sind die Leute informiert und können darüber berichten. Sei es das Leben der Promis, der aktuelle Punktestand der Bundesliga oder die neuesten Apps für das Smartphone. Geht es aber um das Thema Finanzen, sieht man häufig nur sehr große Fragezeichen in den Gesichtern.

Kommt es dann einmal zu einem Problem mit der Bank, ist natürlich nur diese ganz allein schuld und dies spiegelt sich dabei in vielen Bereichen der Finanzen wider.

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Geldanlagen. Im Artikel “Deshalb verlieren Anleger ihr Geld“ habe ich bereits darüber berichtet, wie mangelndes Interesse und daraus resultierendes fehlendes Wissen dazu führen kann, dass viele Anleger nicht immer die optimalen Entscheidungen treffen und mitunter sogar die falschen.
Es ist dabei doch sehr eigenartig. Wenn die Leute den Kauf eines neuen Autos planen, fahren diese von Autohaus zu Autohaus. Lassen sich dabei viel Zeit und studieren mit großem Interesse die technischen Details der Autos. Wägen dabei ab, welches Fahrzeug am besten passen würde und was aus finanzieller Sich machbar ist.

Wie sieht es beim Vermögensaufbau aus? Mitunter reicht hierbei ein einziges Beratungsgespräch bei der Bank aus, dazu die Aussicht auf eine gute Rendite und die Wahl einer Anlage wurde getroffen. So lange die Anlage die gewünschten Vorgaben erfüllt, ist alles gut. Kommt es allerdings mal zu einem Problem, ist der Aufschrei groß und es ist wiedermal die Rede vom gebeutelten Kleinanleger.

Natürlich stehen auch die Banken in der Verantwortung, ihren Kunden nur die Anlagen zu vermitteln, welche am besten passen. Wobei ich das Wort “vermitteln“ durch das Wort “verkaufen“ ersetzen würden, denn letztendlich verdienen die Banken dadurch Geld. Daher wäre es eigentlich umso wichtige, sich das nötige Grundwissen anzueignen.

Unnötiger Ärger über die Banken entstehen allerdings auch bei ganz einfachen Dingen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Dauer einer Banküberweisung. Eine Überweisung wird getätigt und nun wird erwartet, dass das Geld sofort auf dem Empfängerkonto erscheint. Passiert dies nicht innerhalb der nächsten Stunden, macht sich erster Unmut breit, vergehen mehrere Tage umso mehr, obwohl es für die Verzögerungen sehr einfache Begründungen gibt.

Wer sich dann nicht über die Gründe informiert, argumentiert mitunter damit, dass die Banken schuld sind und das möglichst lange zurückhalten, um damit mit Geld zu verdienen.

Das Leben auf Pump, diese Chancen nutzen die Banken

Kommen wir nun zum Kreditbereich, denn immerhin handelt es sich hierbei ebenfalls um einen wichtigen Geschäftsbereich der Banken, wo sehr viel Geld verdient wird. Darf man die Banken dafür verurteilen? Nein. Dieser Überzeugung bin ich und dafür gibt es einen ganz einfachen Grund.

Früher war es üblich, nur dann eine Anschaffung zu tätigen, wenn das Geld zur Verfügung stand. Lediglich haben sich die Leute Geld von der Bank geliehen, wenn diese damit eine Immobilie oder ein Auto finanzieren wollten.

Heute ist es ganz normal, selbst bei kleineren Anschaffungen einen Kredit in Anspruch zu nehmen und diese in monatlichen Raten abzubezahlen, da man nicht mehr sparen und warten muss. Mitunter sind sogar teurere Investitionen möglich, weil die kleine Kreditrate es ermöglicht.

Auch hierbei steht es ganz außer Frage, dass die Banken und Geschäfte diese Chance nutzen und mit großem Eifer für diese Finanzierungsmöglichkeit werben, denn wie bereits gerade erwähnt, lässt sich mit den Krediten viel Geld verdienen.

Natürlich könnte man den Banken und Geschäften diese Vorgehensweise vorwerfen, allerdings gibt es immer zwei Seiten einer Medaille und auf der anderen Seite steht der Konsument bzw. Kreditnehmer, der sich bewusst für die Inanspruchnahme einer Finanzierung entscheidet.

Zusammenfassung – Sind die Banken böse und wollen nur unser Geld?

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Bei den Banken handelt es sich um Unternehmen, welche wirtschaftliche Interessen verfolgen und Geld verdienen möchten. Es wäre allerdings falsch, die Banken alle in eine Ecke zu stellen und der Meinung zu sein, diese wären böse und versuchen alles mögliche, um an unser Geld zu wollen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Robert,

    ich finde es prima, dass du den allgemeinen Trend auf Banken „einzuprügeln“ mit deinem nüchternen und sachlichen Beitrag etwas ausbremst. Bei dem Thema gerate ich leider auch häufig in Rage. Wenn man die Beziehung Kunde/Bank einmal vollumfänglich betrachtet, bleiben am Ende noch zwei Aspekte übrig:

    1. Viele Filialbanken haben die Zeiten der digitalen Innovationen verschlafen

    Vor einigen Tagen habe ich mit meiner Hausbank Kontakt aufgenommen, um meine Bankverbindung für meine Immobilienfinanzierung zu ändern. Der Berater sicherte mir zu, dass er sich darum kümmern würde. Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass die Umstellung nach einigen Tagen vollzogen ist und er sich bei mir meldet, dass alles erledigt sei. Stattdessen erhielt ich nach 14 Tagen ca. 10 Din-A-Blätter per Post. Er hatte in meinem Namen ein komplettes Anschreiben verfasst und mir mehrere Formulare in doppelter Ausfertigung zugesandt. Insgesamt waren vier Unterschriften nötig. Anschließend muss ich das Ganze per Post zurückschicken. Ich glaube heutzutage hat da niemand mehr Bock drauf. Kostensparender wäre ein einfacher Button mit Tan-Absicherung im Online-Banking und die zusätzliche Möglichkeit, dass der Berater das für den Kunden übernehmen kann. Von solchen Umständlichkeiten könnte ich zig Beispiele nennen.

    2. Im Gespräch mit einem Blogleser erzählte dieser von einem Fondsangebot seiner Bankberaterin.

    Ihm wurde bei siebenjähriger Sparrate über monatlich 200 Euro eine Wertentwicklung von ca. 10000 Euro in Aussicht gestellt. Beim Nachrechnen habe ich festgestellt, dass das beste Ergebnis der letzten Jahre hierfür mit 1,5 % Bonus versehen wurde und man davon ausgeht, dass dieses Ergebnis in den kommenden sieben Jahren unnunterbrochen wiederholt wird. Kosten wurden zwar erwähnt aber nicht in dieser Rechnung berücksichtigt. Steuern kamen nicht zur Sprache. Das Produkt wurde einfach nur unfassbar schöngerechnet.

    Solange die grundsätzlichen Probleme der Banken, nämlich Rückstand bei digitalem und effizienterem Wandel und mangelhafte Kundenberatung, die oft ihre Ursache im Vertriebsdruck hat, nicht beseitigt werden, werden die Banken das von dir beschriebene Image nur schwer los.

    Schöne Grüße
    Marco

    • Hallo Marco, besten Dank für deine Erfahrungen. Die Banken müssen bei der Digitalisierung definitiv einen Gang zulegen, sonst wird es nach meiner Meinung nicht ausbleiben, dass sich die Kunden sehr schnell Alternativen suchen werden.

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