Wie lang sollte die Laufzeit eines Kredit sein?

Die Laufzeit eines Kredits sollte möglichst kurz sein. Je schneller die Rückzahlung, desto höher der finanzielle Spielraum. Es ist zwar bei der Kreditanfrage sehr verlockend, einen Kredit mit einer monatlichen geringeren Rückzahlung zu wählen, allerdings ist die Laufzeit dann deutlich länger. Es spielt bei einem Kredit keine Rolle, wie hoch die Kreditsumme ist. Wenn es die finanzielle Situation ermöglicht, ist eine schnelle Rückzahlung die beste Option. Ist man derzeit in finanzieller Hinsicht nicht in der Lage, eine schnelle Rückzahlung zu ermöglichen, so sollte man einmal generell darüber nachdenken, ob eine Kredit wirklich derzeit die beste Lösung ist.

Laufzeit Kredit

Die Nachteile einer langen Laufzeit

Der größte Nachteil ist die lange finanzielle Belastung. Wer einen Kredit mit einer langen Laufzeit aufnehmen möchte, muss die Rückzahlung über diesen Zeitraum gewährleisten können. Ein sehr gutes Beispiel ist hierbei die Finanzierung einer Immobilie, welche bei den meisten Kreditnehmern in der Regel nur über mehrere Jahrzehnte möglich ist. Viele Leuten haben häufig erst mit Mitte 50 das Haus vollständig abbezahlt, vorausgesetzt das Haus wird mit Anfang 30 gebaut oder gekauft. Während dieser Zeit ist der Kredit bis zur letzten Rate immer ein Thema und der monatliche Rückzahlungsbetrag muss stets vorhanden sein, dieses Geld ist also für andere Ausgaben nicht verfügbar.

So mag es auf den ersten Blick verlockend sein, einen 250.000 Euro Kredit mit einer monatlichen Rate von ca. 834 Euro über 25 Jahre zurückzuzahlen, weil so genügend finanzieller Spielraum für andere Dinge bleibt, jedoch bedeutet dies auch, dass man 25 Jahre abhängig ist von seiner Bank und das die eigenen finanziellen Möglichkeit bei einem gleich bleibenden Einkommen immer begrenzt sind. Bei einer monatlichen Rückzahlung von 1500 Euro würde die Kreditlaufzeit hingegen nur noch 14 Jahre betragen. Sicherlich bedarf es einer deutlich stärkeren finanziellen Anstrengung und es bleibt erst einmal weniger Geld im Monat zur Verfügung, jedoch wäre man so nach dieser Zeit bereits Schuldenfrei.

Wege finden, um die Laufzeit zu verkürzen

Es gibt mehre Möglichkeiten, um die Laufzeit zu verkürzen bzw. die Finanzierung zu beschleunigen. Der wichtigste Punkt hierbei ist die Erstellung einen finanziellen Überblick, mit der man seine Einnahmen und Ausgaben ganz genau analysieren kann, hier werden auch dann alle Wege offensichtlich, wodurch die Rückzahlung wesentlich schneller möglich ist. So könnte man versuchen, seine Ausgaben zu senken. Bei einer monatlichen Sparrate von 50 Euro beläuft sich die Gesamtersparnis im Jahr bereits auf 600 Euro und in 10 Jahren auf 6000 Euro.

Wiederum besteht die Möglichkeit darin, zusätzlich Geld zu verdienen wie beispielsweise durch einen Nebenjob. Würde man bei einem monatlich Zusatzverdienst 450 Euro davon 300 Euro zur Seite legen, so wäre dies eine zusätzliche Ersparnis von 3600 Euro in Jahr, was in 10 Jahren ein finanzielles Polster von 36000 Euro wäre. In Kombination mit der 50 Euro Ersparnis beläuft sich die Gesamtsumme in 10 Jahren auf 42000 Euro. Somit lässt sich die Finanzierungslaufzeit bei größeren Summen nochmals deutlich reduzieren.

Wenn möglich, gänzlich auf einen Kredit verzichten

Kredite sind auf der einen Seite sicherlich sehr praktisch. Dingen können gekauft und erst viel später zurückgezahlt werden. Ist man allerdings in der Lage, die benötige Summe in einem gewissen Zeitraum ohne Zuhilfenahme der Bank aufzubringen, so ist es wesentlich besser, auf einen Kredit zu verzichten, gerade dann, wenn es sich um Summen von unter 1000 Euro handelt. Es stimmt. Wer diesen Weg wählt, muss sich noch etwas gedulden. Allerdings ist man dann auch völlig frei von jeglichen Verbindlichkeiten. In der Regel sinkt der Kaufpreis bei Konsumgüter mit jedem Monat, womit man zusätzlich viel Geld sparen kann.

Fazit: Die Kreditlaufzeit sollte so kurz wie möglich sein. Je schneller die Rückzahlung, desto ist man die finanzielle Belastung wieder los.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Du hast zwar grundsätzlich recht, dass eine lange Laufzeit scheiße ist, aber bei Immobilienkrediten würde ich das Darlehen dennoch so lange wie möglich strecken.

    Die niedrigere Tilgung ermöglicht im Falle von Arbeitslosigkeit oder langwieriger Krankheit einen größeren finanziellen Spielraum. Wenn nämlich ein Gehalt mal wegfällt, oder man nur noch 2/3 des Gehaltes bekommt, weil man langfristig krank ist, dann wird es schon sehr eng mit den Finanzen. So kann man sich direkt in die Insolvenz manövrieren.

    Wir haben es so gemacht, dass wir einen Kredit für die Wohnung über 20 Jahre aufgenommen haben, obwohl 10 Jahre gereicht hätten. In der Zwischenzeit machen wir immer jährlich Sondertilungen, wenn wir sehen, dass genügend Geld übrig geblieben ist. Sollte es mal enge werden, dann machen wir keine Tilgung.

    Zudem stimmt es nicht ganz, dass man ewig gebunden ist. Wenn man genügend Geld angespart hat, dann kann man von Gesetzeswegen JEDEN Kredit nach 10 Jahren kündigen und komplett zurückzahlen, ohne dafür eine Gebühr entrichten zu müssen. Siehe: § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB. Wenn man nach 10 Jahren nicht krank und nicht arbeitslos geworden ist, dann kann man auch so den Kredit jederzeit stoppen. Genau so haben wir das auch vor.

    Daher sage ich: lieber eine lange Laufzeit mit niedriger Tilgung und ggf. einer Rückzahlung nach 10 Jahren, als gleich auf 10 Jahre zu gehen. Da hat man mehr Flexibilität. Natürlich ist der Zins für einen Kredit über 20 Jahre etwas höher als für einen mit 10, aber dafür hat man viel mehr Sicherheit und den Zinsunterschied zahlt man nur über die 10 Jahre, was den Verlust im Rahmen hält.

    • Hallo Peter,

      in deinem Fall ist es natürlich bestens gelaufen und ich stimme dir zu, dass man von dem Kündigungsrecht ruhig Gebrauch machen sollte. Allerdings raten auch einige Experte zu einer geringen Laufzeit, auch wenn dies im ersten Moment nicht gern viele Kreditnehmer höhere möchten. Wenn man 10 Jahre alles daran setzt, den Kredit schnellstmöglich zurückzuzahlen, so ist dies sicherlich eine finanzielle Herausforderung, danach wäre man aber unabhängig von der Bank, anstatt 15 oder 20 Jahren noch weiterzuzahlen. Und wie bereits erwähnt, wenn man solch hohe Summe nur durch eine möglichst lange Laufzeit finanzieren kann, weil es sonst nicht möglich ist, so sollte man sich die Zeit nehmen und ernsthaft darüber nachdenken, ob man sich dieser finanziellen Belastung wirklich aussetzen möchte.

      • Das ist wahr. Wenn man sich eine Immobilie nur mit einer 25-Jahre-Finanzierung gerade so leisten kann, dann sollte man es wirklich lieber lassen. Und psychologisch gesehen ist es wahrscheinlich besser sich mit der kurzen Laufzeit selber zu disziplinieren.

        Aber wenn in diesen 10 Jahren irgendwas schief läuft, dann ist ganz schnell der Ofen aus und das Haus weg. Und wenn man sich aus dem Grund gegen diese Risiken schützen möchte, dann muss man anfangen Berufsunfähigkeitsversicherungen, Risiko-Leben usw. abzuschließen – eventuell noch eine Versicherung gegen Darlehensausfall usw. Und schon ist man von den Kosten her genau da, wo man wäre, wenn man die Finanzierung vorsichtshalber über 20 Jahre gemacht hätte, mit einem etwas höheren Zins.

        Kurze Laufzeiten bergen meiner Meinung nach viel mehr Risiken als lange. Eine lange Laufzeit kann man nach 10 Jahren jederzeit beenden. Bei der kurzen muss man eventuell umfinanzieren und nicht jede Bank macht das mit. Vor allem, wenn man umfinanzieren muss, weil man seinen Job verliert. Welche Bank lässt sich bei einem Arbeitslosen auf eine Verlängerung des Kredites ein?

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