Alle schimpfen über LKW Fahrer

Egal wo man sich gerade mit dem Auto befindet, die Trucker mit ihren LKW’s scheinen überall zu sein. Auf der Landstraße wirken diese für die meisten Autofahrer wie riesige Bremsklötze, obwohl sie schon deutlich schneller fahren als die erlaubte LKW-Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h auf Bundesstraßen, würden wohl sehr viele Autofahrer die LKW ganz verbieten auf diesen zu fahren.

Auf der Autobahn sieht es auch nicht viel anders aus. Spätestens wenn sich auf einer zweispurigen Autobahn sich zwei Trucker wegen 2 km/h bergauf ein Elefantenrennen liefern, bekommen wiederum viele Autofahrer wahrscheinlich ähnliche Gefühle.

Diese verdammten LKW-Fahrer

Mal davon abgesehen, dass es unter 100 Truckern immer wieder den ein oder anderen durchgeknallten Fahrer gibt, den man eigentlich den FührerscheinLKW auf der Autobahn sofort entziehen sollte, sind jedoch ein Großteil der Trucker vernünftige LKW-Fahrer und ganz normale Menschen wie Du und ich.

Denke als Autofahrer mal darüber nach

Bevor Du dich das nächste Mal über einen LKW vor dir aufregst, so lohnt es sich darüber nachzudenken, was der Trucker hinten in seinem Auflieger, Hängerzug oder in seinem Siloaufbau so transportiert, mit großer Wahrscheinlichkeit keine Luft.

Nein. Die Trucker transportieren Lebensmittel die Du am nächsten Tag im Supermarkt einkaufst, den Kraftstoff den Du an der Tankstelle tankst, die Kleidung und Elektronik die Du im Internet bestehlt hast und binnen 24 Stunden geliefert haben möchtest oder die LKW transportieren gerade tonnenschwere Stahlrollen woraus vielleicht dein nächstes Auto bestehen wird, die Liste könnte man ewig so weiterführen.

Wie viele Minuten benutzt Du am Tag dein Auto?

Denke vielleicht auch darüber nach, dass ein LKW-Fahrer permanent auf den Straßen Europas 24 Stunden unterwegs ist. Er fährt, schläft und lebt sein Leben auf den Bundesstraßen und Autobahnen, während Du am Tag vielleicht nur 30 Minuten hin-und zurück zur Arbeit fährst.

Wann gehst Du ins Bett?

Bist Du müde und es ist Zeit fürs Bett, dann murmelst Du dich in dein Bettzeug ein und entfliehst in das Land der Träume. Ist die Lenkzeit des Truckers vorbei, so muss auch dieser gesetzlich eine längere Pause einhalten. Während Du aber bereits 30 Minuten schläfst, sucht der LKW Fahrer mitten in der Nacht einen Parkplatz, die Suche hört sich zwar einfach an, aber das ganze grenzt mehr an ein Glücksspiel, da es zu wenige Parkplätze für zu-viele LKW’s in Deutschland gibt.

Er sucht übermüdet einen Parkgelegenheit und verstoßt vielleicht schon gegen die gesetzliche festgelegten Pausenzeiten, dank der digitalen Fahrtenschreiber wird auch jeder Verstoß auch noch penible über Monate hinweg aufgezeichnet. Wenn also das nächste mal ein LKW in deinem Wohngebiet parkt, so rege Dich nicht auf.

Brauchst Du wirklich deine Bestellung am nächsten Tag?

Viele Trucker stehen unter einem ständigen Termindruck, dieser wird von Jahr zu Jahr immer schlimmer. Durch Disponenten und deren Spediteure steht erLKW in der Nacht ständig unter Druck stets eine Zeitvorgabe einzuhalten, die eigentlich gar nicht mehr realistisch ist. Und warum ? Weil ein Kunde möchte, dass seine georderte Ware bspw. von London am Montag gegen 10:00 Uhr spätestens am Dienstag gegen 12:00 Uhr mittags in München sein soll. Wer sich ein wenig auskennt der weiß, dass dies fast unmöglich ist.

Ein LKW fährt keine 150km/h auf der Autobahn, dazwischen liegen noch zwei Stunden Fahrt mit der Fähre von Dover nach Calais, sowie ein kurzer Trip durch Frankreich und Belgien, bis er letztendlich in Deutschland landet, aber in der Regel nicht irgendwo, sondern mitten im Ruhrpott, am besten noch während der Rushhour, dann nur schnell die Autobahn Richtung Süden durch die Ballungsräume von Frankfurt am Main und Stuttgart bis er in München ankommt 😉 .

Und warum möchte der Kunde die Ware so schnell ? Weil wir als Verbraucher die Produkte immer sofort und immer verfügbar haben möchten.

Bist du wirklich ein guter Autofahrer?

Wenn Du dich wiedermal auf einer Autobahn befindest und Du dich mit deinem PKW links an einem LKW durch eine Baustelle quetscht und deine Beifahrer (Frau, Kinder, Freunde) immer größere Augen bekommen, weil der LKW bei Tempo 80 sich nur noch 50 Zentimeter von deiner Autotür befindet, dann hast Du es dem Können, der Rücksichtnahme und der Erfahrenheit des Truckers zu verdanken, dass Du ohne Blessuren doch an dein Ziel kommst.

Fazit: Es ist sehr einfach auf die LKW Fahrer zu schimpfen, im Grunde genommen sind es aber nur die Autofahrer die meinen, Profis hinter dem Lenkrad sein zu müssen, die es aber eigentlich nicht sind. Jeder von Euch wird sich hier irgendwo im Artikel wiederfinden, aber denkt einmal über die ganze Sache in Ruhe nach.

25 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Wer über LKW Fahrer schimpft | Christian's Blog

  2. Vielen, vielen Dank das du so deutlich sagst wie es doch ist, ich kenne das Spiel als ehemaliger LKW-Fahrer mit Erfahrung im Nah- und europaweiten Fernverkehr zur Genüge

  3. Ich bin zwar ’nur‘ 7,5 t gefahren, aber ich kann das nur bestätigen, was Du schreibst! Wobei ich mich selbst dabei ertappe, das, wenn ein sog. Elefantenrennen auf ebener Strecke mehr als einen Kilometer dauert, ich die Krise kriege. Entweder mit einem Überschuss an Geschwindigkeit überholen, oder gar nicht – denke ich zumindest.

    Aber ansonsten ist Nachdenken aus Sicht des Pkw-Fahrers anscheinend weder nötig noch angebracht.

    • Hallo Marcus, bei den Elefantenrennen triffst du auf den Teil der LKW Fahrer, die dem Ruf des Truckers deutlich schaden. LKW Fahrer B überholt mit 1km/h mehr LKW Fahrer A, Fahrer A sieht sich in seinem Ego verletzt und tritt ebenfalls weiter aufs Gas, anstatt der Klügere zu sein und kurz das Gas wegzunehmen. LKW Fahrer B hat es endlich geschafft und wird bergab wieder von Fahrer A überholt, weil dieser mit seinem Mehrgewicht deutlich mehr Schwung bekommt, in den Kasseler Bergen lässt sich dies sehr gut beobachten. Dieser Teil der LKW Fahrer fährt auch in Kolonnen und klebt dem Vordermann mit seinem Führerhaus schon fast am Sattelzug.

      In solchen Situationen ist es mehr als verständlich, wenn die Autofahrer hier eine Krise bekommen.

      • Also zum Thema, Fahrer A fühlt sich in seiner Ego verletzt, muss ich denken das auch du so ein Fahrer bist, der mit 1-3 Km/h überholt? Mit verletztem Ego hat das nicht viel zu tun!!!! Die meisten fahren seit Stunden mit Tempomat, warum sollter der Fahrer jetzt vom Gas gehen? Laut StVO hat der Überholende mit deutlich höherer Geschwindigkeit zu überholen. Ich habe nirgendwo gelesen, das ich wegen jedem Trottel und Geisteskranken den Fuß vom Gas nehmen soll. Ich meine damit allerdings auch nur eine gleichbleibende Geschwindigkeit und nicht das zusätzliche Beschleunigen während man überholt wird! Fange mal an auf einer vielbefahrene Autobahn, bei Abständen von 20-30m, vom Gas zu gehen, wegen eines solchen Fahrers, dann kommst du so schnell nicht wieder auf deine Geschwindigkeit.

        • Sicherlich hat der Überholende LKW Fahrer mit einer deutlich schnelleren Geschwindigkeit zu überholen. Allerdings sollte es auch kein Problem sein, für 5 Sekunden das Gas wegzunehmen. Warum? Der Überholer ist schneller vorbei und du hast wieder deine Ruhe. Du kannst deine Geschwindigkeit auch beibehalten und der Überholvorgang dauert 2 bis 3 Minuten (berghoch), dies macht bei 10 LKW bereits 20 bis 30 Minuten die du unnütz damit verbringst.

          Das größte Problem bei der ganze Sache liegt jedoch bei den Truckern, die permanent in der Kolone fahren. Dabei bringt diese Fahrweise überhaupt nichts. Wer als LKW Fahrer vorrauschend fährt und seine Touren effektiv plant, der kommt pünktlich ans Ziel und hat in der Regel auch keinerlei Probleme mit Elefantenrennen.

          Aber wie bereits beschrieben, trennt sich hier die Spreu vom Weizen.

    • Ich würde Dich bitten , Deinen 7,5 nicht in den Schatten zu stellen . Du bist berufskraftfahrer und beförderst Waren für dritte gegen ein Endgeld . In keiner Definition steht, das LKW erst ab einem bestimmten gewicht anfangen . Und 7,5 ist oft viel streßiger, wie große . Dazu kommt, Du glaubst gar nicht, wieviele leute schon mit einem Sprinter überfordert sind .
      Du bist Berufskraftfahrer, wie alle anderen auch .

      • Ob 7,5 Tonnen oder 40 Tonnen, dies spielt überhaupt keine Rolle. Wobei bei den 7,5 Tonner noch hinzukommt, dass diese von Speditionen immer mehr als Maut-Preller eingesetzt werden. Diese werden maximal beladen und der Fahrer fährt dafür einmal öfters, was den Stress zusätzlich anhebt.

  4. Auch ich möchte dir danken!
    Leider werden wohl wenige darüber nachdenken,denn in Deutschland ist es keiner gewohnt,auf das notwendige im Alltag zu verzichten,weil LKW-Fahrer streiken.Es steht ja immer alles und jeder Zeit zur Verfügung.In anderen Ländern blickt man mit anderen Augen auf die LKW-Fahrer.Nähmlich mit Achtung und Respekt und weiß um die langen Arbeitszeiten bis zu 15 Std.,die Trennung von der Familie und das anspruchslose Leben auf 4 quadratmeter.
    Und die Elefantenrennen……nun…..nicht das ich sie billige.Aber es ist völlig egal,ob der Laster mit 2,4 oder 10km/h mehr überholt.Der PKW-Fahrer dahinter muß vom Gas gehen.Und das nervt….nicht mehr und nicht weniger.
    Es wird soviel Gewese gemacht um Lärmschutz,damit die Menschen in ihren Häusern ruhig schlafen können.Hat sich schon mal jemand gefragt,wie der LKW-Fahrer hinter 2mm Blech an der Autobahn,direkt vor seinem Kühlaggregat oder in sengender Hitze schläft?.
    Und deshalb finde ich es prima Robert,das du einen Denkanstoß gegeben hast!!

    • Hallo Marion,

      Du musst kurz vor Ende deiner Fahrzeit aber erst einmal einen Parkplatz finden, des weiteren lassen die Toiletten mehr als zu wünschen übrig und schaut man auf die meisten Autohöfe sowie Rasthöfe, so denken diese nur an ihren Profit.

      Nicht zu vergessen sind die ungeduldigen Disponenten, die oftmals völlig falsche Zeitvorstellungen haben und ihre Fahrer noch mehr treiben. Vielleicht wäre ein großer Generalstreike der LKW Fahrer gar nicht so verkehrt, am besten ein bis zwei Wochen, ruck-zuck sind die Geschäfte nämlich leer.

      • Genauso meine ich das,Robert……!Und glaub mir,da brauchts keine zweite Woche.Schon am Ende der ersten Woche fehlen nicht nur die Laster auf den Straßen.Es wird auch sonst kaum noch ein Fahtzeug unterwegs sein…..wie auch,ohne Treibstoff.Und das gerade dann,wenn viele zu hause sind,weil sie nicht arbeiten können,da das Material fehlt….
        Die ersten Demos hat es schon gegeben……warten wir es ab.

        Ich respektiere jeden Beruf,weil sie alle in ihrer Gesamtheit wichtig sind……und genauso erwarte ich das für den LKW-Fahrer.Erwarte ich da etwa zuviel?

  5. Danke für diesen Eintrag. Es trifft den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Ich bin selber Berufskraftfahrer und Kraftverkehrsmeister und fahre seit 10 jahren national und international im Nah- und Fernverkehr, aber so schlimm wie in Deutschland ist es m.E. nirgendwo. Du malochst Dich jeden Tag kaputt und wirst behandelt wie der letzte Dreck. Ich möchte weder bejubelt, noch vergöttert werden, aber ich verlange den nötigen gegenseitigen Respekt, teilweise auch mit einer recht derben Wortwahl, weil man m.E. nur so die Leute erreicht und zum Nachdenken animiert.

    • Dies ist ja noch nicht alles. Gerade Fernfahrer die außerhalb von Deutschland unterwegs sind, sind sehr häufig ein bis zwei Wochen von ihren Familien getrennt. Persönlich kann ich euch hier noch den Blog http://www.meine-auto-tipps.de sehr empfehlen. Recht bei Speziell für alle Trucker gibt es dazu viele interessante Artikel.

  6. Hallo.
    Sehr schöner Text. Nur leider wird er die wenigsten erreichen. 🙁
    Ich selber fahre auch LKW, mittlerweile nur noch um den Kirchturm. Bei den kaputten Preisen verdiene ich lieber n bissel weniger und bin aber dafür immer daheim.
    Ich wollte nur anmerken, dass unsere ach so tolle Regierung nicht so blöd ist wie wir denken. Denn Streik im Teansport ist verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Hierbei beachte man, dass es das nur in Deutschland gibt, und m.E. gehörig in eines unser menschlichen Rechte eingreift. Dem Recht der Gleichstellung. Jede andere Berufsgruppe darf nämlich streiken, wenn es die Situation erfordert, nur der Transport muss gesichert sein. Also..? Diktatur oder wie..? 😉

    • Hallo Nikos,

      es gibt eine Möglichkeit mehr Aufmerksamkeit für die LKW Fahrer zu erreichen. So könnte alle Berufskraftfahrer eine Partei gründen, dies hört sich zwar im ersten Moment etwas seltsam an, aber warum eigentlich nicht. 100.000 bis 200.000 Berufskraftfahrer wird man mit Sicherheit in sehr kurzer Zeit als neue Mitglieder erreichen können. Des weiteren kann es sich für viele Trucker auch lohnen, sich eine Spedition im Ausland zu suchen. Alleine in Österreich werden immer wieder Fahrer gesucht und die Bezahlung ist eine deutlich bessere. An dieser Stelle fallen mir gleich zwei Speditionen ein, ich möchte jedoch hier keine Werbung machen.

      Hier kann ich euch den Artikel 7 Regeln für LKW Fahrer sehr empfehlen, wer diese beherzigt, der lebt als Trucker schon deutlich besser.

  7. Also ich muss sagen einfach klasse bin selber berufskraftfahrer und es kommt von herzen was du schreibst. Darf ich das weiter geben an leute die den gleich beruf haben wie ich? Gruss

  8. Du sprichst mir aus dem Herzen, bin seit 40 Jahren int. auf der Landstrasse und fände es überlegenswert ein system wie es in Frankreich praktiziert wird auch in Deutschland gut.
    Deutschland ist Stress pur andere Länder sind dagegen fast schon Erholung.

  9. Wie wahr, wie wahr. Nach über 25 Jahren und vier Herzinfarkten die mir der Job beschert hat bin ich jetzt raus. Weg von der Straße. Auch ich bin in ganz Europa unterwegs gewesen und das teilweise drei , vier Wochen getrennt von Frau und Kindern. Wozu? Damit Hinz und Kunz zwar ihre Waren “ Just in Time“ zuhause hatten, ich mich aber teilweise auch übelst anfeinden lassen musste. Nicht zu vergessen das ich meistens meinen LKW auch noch selbst be- und entladen musste und das in der eigentlichen Pause. Ich vermisse nichts und wenn ich die ehemaligen Kollegen auf der Autobahn sehe empfinde ich meistens Mitleid. Weiss ich doch ganz genau was die Damen und Herren hinter dem Lenkrad antreibt. Ach ja, der Verdienst: Einige würden für diesen Hungerlohn nicht aus dem Bett steigen. Ich könnte noch stundenlang weiter schreiben! Eins noch an alle die sich über die LKW`s mokieren. Denkt immer daran: Hinter dem Steuer sitzt ein Mensch!!!

    • Hallo Detlef, vielen Dank für dein Kommentar. Es ist kein Wunder, warum Herzinfarkte bei LKW Fahrern sehr häufig auftreten. Trotz elektronischem Fahrtenschreiber hat sich doch eigentlich kaum etwas geändert. Es müsste noch viel mehr getan werden. So dürften Disponenten nur zweimal am Tag den Fahrer kontaktieren ;-), die Be-und Entladung müsste voll zur Arbeitszeit zählen – hier könnte es einen extra Knopf am Fahrtschreiber geben, die diese Zeit noch als Fahrzeit hinzuzählt.

      Zur Bezahlung der LKW Fahrer – Hier muss ich leider ganz knallhart sagen, die Fahrer sind selber schuld, gerade wer im internationalen Fernverkehr unterwegs ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass gerade im Bereich Voralberg (Österreich) es mehrere Speditionen gibt, die ihre Fahrer sehr gut bezahlen. Daher kann ich jedem LKW Fahrer vorab sehr empfehlen, sich über die Spedition genauestens zu informieren.

  10. Hallo Marion,
    Du musst kurz vor Ende deiner Fahrzeit aber erst einmal einen Parkplatz finden, des weiteren lassen die Toiletten mehr als zu wünschen übrig und schaut man auf die meisten Autohöfe sowie Rasthöfe, so denken diese nur an ihren Profit.

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